John Ibbson

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John Ibbson @john@braunegeister.de 8. Sep. 11:10

Lügner durch und durch

Reblog via Sascha Pallenberg 🇹🇼 ♻ ⚡

Ich fordere echt so langsam eine eigene Talk-Show fuer die wunderbare und so herrlich hartnaeckige Lena Mosel von Phoenix!

Wie sie hier as Wahlversprechen der zerlegt… ich koennte es mir auf Dauerschleife anhoeren!

Lena Mosel interviewt erst Ulrich Siegmund und dann Alice Weidel von der AfD. Dazwischen werden aeltere Statements eingeblendet!
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John Ibbson @john@braunegeister.de 7. Sep. 19:36

Das Rätsel der zwei Gesichter

Es war an einem verregneten Nachmittag im sich verabschiedenden Sommer, als Sherlagg Holmes mit übereinandergeschlagenen Beinen in seinem gewohnten Sessel in der Bachstraße 221b saß. Auf seinem Schoß lag kein abgegriffener Kriminalroman, sondern eine Lupe und ein glänzendes Abzugsfoto, das vor kurzem per Depesche eingetroffen war. Er betrat die Szene mit jenem vertrauten, spöttischen Lächeln, das stets das Nahen eines neuen Rätsels ankündigte.

„Sehen Sie sich das an, mein lieber Ibbson“, sagte er und reichte mir die Fotografie. „Erinnern Sie sich an unsere jüngsten Betrachtungen über die Phantom-Politik im Kreise Steinfurt? Das Schicksal hat uns ein neues Kapitel geliefert – und diesmal betreten wir das Terrain der digitalen Alchemie.“

Ich nahm das Bild entgegen und blickte auf das Porträt einer Frau fortgeschrittenen Alters, die hinter einem Schreibtisch vor einem Plakat saß. „Ein recht ansprechendes Porträt, Holmes“, bemerkte ich und stellte mein Teegedeck zu Seite. „Die Vorsitzende des AfD-Ortsvereins, wie es scheint. Sie wirkt entschlossen, wenn auch ein wenig… unnatürlich glatt.“

„Unnatürlich ist das exakte Wort, Ibbson!“, rief Holmes aus, sprang auf und begann, im Zimmer auf und ab zu schreiten. „Sie sehen ein Porträt, doch ich sehe eine Komposition aus Täuschung und Widerspruch! Betrachten wir die Beweise mit der Schärfe der Logik. Zunächst hielt man mir dieses Bild als fotografischen Beweis entgegen. Doch die Analyse offenbart das Wirken eines künstlichen Verstandes.“

Er trat an den Tisch, tippte mit dem langen Zeigefinger auf das Foto und sezierte die Anzeichen:

„Betrachten Sie das Gesicht, Ibbson. Makellos, frei von jeder Zeile des Lebens, beinahe porzellanartig geglättet, verschlankt. Doch blicken Sie nun nach unten auf die Hand, die den Füllfederhalter führt! Was sehen Sie?“

„Ich sehe… eine Hand mit ausgeprägter Hautstruktur und Adern“, antwortete ich.

„Exakt! Eine Hand, die deutlich älter wirkt als das verjüngte Antlitz darüber. Ein klassischer Lapsus der modernen Bildgenerierung! Die Algorithmen glätten das Gesicht zur Perfektion, vergessen jedoch die anatomische Konsistenz der Extremitäten. Und es geht weiter: Betrachten Sie das nur halb im Rahmen erscheinende Bild im Hintergrund. Das Partei-Emblem weist Verformungen auf, die Typografie des Buches auf dem Tisch – ‘DEMOKRATIE’ – wirkt wie aus dem Setzkasten eines trunkenen Druckers. Die Spiegelung im Brillenglas, sie spiegelt sich fehlerhafterweise auch übergangslos im Gestell. Eine KI, mein lieber Ibbson, ist ein Meister der Illusion, aber ein Stümper im Detail.

Warscheinlich wird es nicht mal das Zimmer geben, das man da sieht, aber es hat etwas entwaffnend Ehrliches, dass bei einem Mitglied dieser demokratiefeindlichen Partei das einzige Buch in der Nähe Demokratie heißt und in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert. Die Illusion, dass die Vorsitzende überhaupt ein Buch liest, ist ja schon abgefahren und man benötigt KI, um dafür überhaupt nur ein Bild zu bekommen. Gleiches gilt für das gebundene KI-Notizbuch, dass sie mit einem KI-Füllfederhalter zu beschreiben scheint, wobei ganz richtig das ganze Buch leer ist. Was sollte dort auch stehen?“

Ich blickte auf ein zweites Bild, das Holmes mir nun danebenlegte – eine Aufnahme von einem Infostand in einer Fußgängerzone.

„Hier haben wir die Wirklichkeit“, fuhr Holmes fort, und seine Augen funkelten. „Auf dem Realfoto sehen wir die echte Person: Tattoos zieren ihre Unterarme, die Züge sind menschlich und lebensnah, das Gemüt gedämpft vom Job im Restpostenmarkt. Im künstlichen Porträt hingegen wurden die Tattoos unter einem Sakko verborgen, die Tränensäcke entfernt, die Gesichtszüge digital neu erschaffen. Es ist das Werk eines Werkzeugs, das Reales als Vorlage nahm, um eine makellose, aber falsche Fassade zu errichten.“

Ich lehnte mich zurück, nahm das Teegedeck wieder zur Hand und kostete einen Schluck vorzüglichsten Darjeelings. „Ein faszinierender Fall von visueller Täuschung, Holmes. Aber was sagt uns das über den Urheber?“

„Es führt uns direkt zu unserer früheren Diagnose zurück, Ibbson“, antwortete Holmes leise und blickte aus dem Fenster in den Nebel der Straßen Ibbtown. „Wer keine realen Strukturen aufzubauen vermag, greift zu Pixeln und Algorithmen, um Substanzen vorzuspiegeln, wo keine sind.

Es ist die logische Fortsetzung der Phantome von Kreis Steinfurt: Nach den Ortsvereinen, die nur in Gedanken existierten, folgen nun die Akteure, die nur im Äther der Künstlichen Intelligenz makellos erscheinen. Ein Schauspiel aus Schaum und Schein, ein Bildnis des Wolfs im Schafspelz, die unfreiwillige Enttarnung der zwei Gesichter – und die Wahrheit, mein Freund, bleibt einmal mehr der stille Beobachter.“

Er wandte sich von den Fotografien ab, griff zu seiner Violine, schaute unfokussierend nach draußen und spielte eine melancholische Arie, deren schmale, klagende Töne sich im Nebel Ibbtowns zu verlieren schienen.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 7. Sep. 08:26
  • Nach AfD-Wahlerfolg: Bündnis ruft zu Kundgebung in Münster auf Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat für Montagabend eine Kundgebung in der Stubengasse angekündigt. Unter dem Motto „Zeit zum Handeln! AfD stoppen!“ wollen die Organisatoren gegen die Partei demonstrieren und zugleich Solidarität mit ihren politischen Gegnern in Sachsen-Anhalt zeigen.
  • 600 Menschen am Osnabrücker Rathaus gegen AfD-Wahlerfolg Mehr als 600 Menschen haben sich am Osnabrücker Rathaus versammelt, um gegen den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zu protestieren. Die Linke Osnabrück hatte zur Kundgebung aufgerufen.
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John Ibbson @john@braunegeister.de 10. Jul. 18:21
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John Ibbson @john@braunegeister.de 2. Jul. 17:19
  • Die Propaganda-KI der AfD

    Eine Firma des AfD-Bundesvorstands hat ein KI-Tool gebaut, das auf Knopfdruck fertige Hetze ausspuckt: Posts, Parolen und Grafiken im Parteidesign. Am Wochenende soll das Werkzeug auf dem Bundesparteitag in Erfurt präsentiert werden, die Kanäle von Parteichefin Alice Weidel hängen schon daran. Der technische Unterbau kommt von großen US-Tech-Firmen: Google, OpenAI, Anthropic. CORRECTIV hat vorab Zugang zu der Hetz-KI erhalten – und sie getestet.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 25. Jun. 12:27
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John Ibbson @john@braunegeister.de 21. Apr. 07:12
  • Radio RST: Wie die Parteien im Kreis Steinfurt mit der AfD umgehen

    Die nächsten Kommunalwahlen in NRW finden 2030 statt. Die AfD will dann in allen Orten im Kreis Steinfurt in die Räte kommen. CDU, SPD und Grüne wollen die Ergebnisse der AfD schwächen. Für Christoph Borgert von der CDU ist die Strategie klar. Politik müsse Probleme lösen, auf kommunaler Ebene handlungsfähig sein und den Menschen im Kreis Steinfurt zuhören. Jürgen Coße von der SPD fordert den Blick auf konkrete Themen des Alltags.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 24. Mär. 19:40

AfD-Fan Naomi Seibt aus Münster hat in den USA Asyl beantragt und ihr Job dort ist eine Korrespondentenstelle beim Deutschland Kurier. Bei dem ist sie jetzt nicht soooo oft zu sehen, aber gut, eine USA-Korrespondentenstelle ohne einen redaktionellen Hintergrund mit Schwerpunkt AfD in Deutschland ist auch etwas schwierig zu vermitteln.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 24. Mär. 19:18

Die AfD Münster möchte ein neues Hintergrundbild für ihr Konto auf x.com und lässt ihre Follower darüber abstimmen. Da sie kaum echte hat, wird das nichts. Aber auch das Bild selbst ist in etwa so kompetent hergestellt, wie man es sich für die AfD Münster vorstellt.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 22. Mär. 11:07
  • Karsten Frei und Anke Laumann: Schutz der Grünen Finger in Osnabrück: AfD scheitert mit Antrag 

    Panzer hält der AfD vor, sie springe „dreieinhalb Jahre zu spät“ auf einen fahrenden Zug auf. Und auch Jens Meier (Grüne) wird deutlich: Er brauche „keine Fortbildung“ von Vertretern einer Partei, die sich regelmäßig mit der Leugnung des menschengemachten Klimawandels hervortue.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 19. Mär. 22:24

Schatten über Helden und Tyrannen

An einem trüben Vormittag im März 2026 herrschte in der Bachstraße 221B eine Stille, die nur vom leisen Ticken der Uhr unterbrochen wurde. Der Nebel hing schwer über Ibbtown, und in den Räumen lag eine Atmosphäre angespannter Konzentration. Sherlagg Holmes stand reglos am Fenster, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Blick fest auf den Bildschirm seines Rechners gerichtet, als studiere er eine verschlüsselte Inschrift aus vergangenen Jahrhunderten.

Ich trat ein, schüttelte den Regen von meinem Mantel und warf einen Blick auf den Monitor.

„Noch einmal diese Person?“, fragte ich, während ich mich in den Sessel fallen ließ. „Die mit dem Weltfrauentag-Video?“

Holmes nickte knapp, ohne sich umzudrehen.

„Genau dieselbe. Erst erklärte sie den Feminismus für überflüssig, nun preist sie Adolf Hitlers Überlebenskünste. Hören Sie selbst.“

Er drehte den Bildschirm leicht.

Das nächste Video der Dame mit dem Mantel erschien. Diesmal ging es um Adolf Hitler. Sie schilderte ihn als Meister der Vorsicht und Unberechenbarkeit: ein unstetes Leben habe ihn vor etwa vierzig Attentaten bewahrt, darunter der Versuch Fabian von Schlabrendorffs am 13. März 1943, bei dem eine als Cognac getarnte Bombe im Führerflugzeug wegen Kälte nicht explodierte. Es folgten Erwähnungen des gepanzerten Mercedes-Benz 770, der Focke-Wulf Condor mit Fallschirm-Ausstieg, des SS-Begleitschutzes und spontaner Routenänderungen. Der Beitrag endete mit den Worten: „Am Ende war es Glück, Vorsicht und Unberechenbarkeit, die Hitler so lange schützten.“ Dann die Frage: „Welche Attentate auf Hitler kennt ihr noch?“

Holmes wandte sich langsam um. Seine Augen waren kalt und durchdringend.

„Dies ist kein harmloses Geschichts-Quiz“, stellte er fest. „Es ist eine subtile Verherrlichung. Der Diktator wird zum raffinierten Überlebenskünstler stilisiert – als hätte er ein brillantes Spiel gegen seine Feinde gespielt –, ohne dass auch nur ein einziges Mal das Grauen erwähnt wird, das jene Attentate überhaupt notwendig machte.“

Er trat einen Schritt näher, die Stimme ruhig, doch von einer Präzision, die keinen Widerspruch duldete.

„Die Fakten sind größtenteils korrekt. Es gab etwa vierzig dokumentierte Attentatspläne und -versuche. Schlabrendorffs Bombe war real – Cointreau-Flaschen, nicht Cognac, aber der Irrtum ist unbedeutend. Die Condor war gepanzert, der Mercedes ein rollender Panzer. Hitler lebte unstet und änderte Routen – das rettete ihn tatsächlich mehrmals. Doch genau hier beginnt der Verrat an der Wahrheit.“

Holmes fuhr fort, jedes Wort sorgfältig gewählt.

„Der Text verschweigt konsequent den Grund für diese vierzig Versuche. Hitler hatte ein Regime errichtet, das Juden, Roma, Sinti, Jehovas Zeugen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Kriegsgefangene, Slaven, Kritiker, politische Gegner, sozial und rassistisch Diskriminierte millionenfach ermordete. Er entfesselte einen Vernichtungskrieg und zerstörte Europa. Die Attentäter – Schlabrendorff, Henning von Tresckow, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Georg Elser – waren keine sportlichen Gegner. Sie waren Widerstandskämpfer, die ihr Leben einsetzten, um das Unrecht zu beenden. Schlabrendorff überlebte das Volkstribunal und wurde später Verfassungsrichter – ein Held der jungen Demokratie. In diesem Post jedoch ist er lediglich ein Name in einer Liste gescheiterter Versuche.“

Die Stimme Holmes’ wurde noch leiser, dafür umso schneidender.

„Der Widerspruch ist derselbe wie in der früheren Äußerung zum Feminismus. Die Verfasserin lebt in Freiheit, postet, produziert Inhalte, verdient vermutlich Geld – und attackiert den Feminismus, der ihr selbst mehr echte berufliche Wahlfreiheit verschaffen würde: bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fairere Verteilung von Care-Arbeit, geringere strukturelle Nachteile bei Lohn und Rente. Gleichzeitig verharmlost sie hier denselben Diktator, dessen Regime jede Form von Freiheit auslöschte, die sie heute genießt. Sie feiert seine ‚Unberechenbarkeit‘ wie einen cleveren Trick, statt das Verbrechen beim Namen zu nennen.“

Holmes verschränkte die Arme.

„Es zeigt sich ein klares Muster. Im ersten Fall werden die Errungenschaften der Frauenbewegung idealisiert, um moderne feministische Kritik als überflüssig abzutun. Im zweiten Fall werden die Widerstandskämpfer gegen Hitler marginalisiert, um den Tyrannen als faszinierenden Überlebenskünstler darzustellen. Beides ist Revisionismus zum Zwecke der Bagatellisierung: Geschichte wird selektiv zurechtgebogen, um unangenehme Wahrheiten der Gegenwart zu vermeiden – einmal gegen die eigenen Interessen, einmal zugunsten eines Monsters, dessen Ideologie man in der eigenen Lebensrealität nie ertragen müsste.“

Ich schwieg einen Moment, dann fragte ich leise:

„Und was tun wir damit? Einfach ignorieren?“

Holmes lächelte dünn – jenes Lächeln, das immer kam, wenn ein Fall geknackt war.

„Wir benennen es. Wir zerlegen es in seine Bestandteile, wie man eine falsche Spur zerlegt. Der Rest – die Verbreitung solcher Texte – liegt nicht mehr in unserer Hand.“

Er wandte sich wieder dem Fenster zu. Der Nebel draußen lichtete sich allmählich. In den Räumen der Bachstraße 221B hing er jedoch noch eine Weile schwer und unbewegt.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 19. Mär. 21:36

Das Rätsel der revisionistischen Bagatellisierung

Es war ein kühler Abend im März 2026, als ich in die Bachstraße 221B zurückkehrte und meinen alten Freund Sherlagg Holmes in seiner gewohnten Haltung vorfand: lang ausgestreckt auf dem Sofa, die Pfeife zwischen den Zähnen, die grauen Augen halb geschlossen, als betrachte er die unsichtbaren Fäden eines unsichtbaren Netzes. Auf dem Tisch lag die neueste Ausgabe des Lokalblatts, doch Holmes hatte sie nicht einmal angerührt. Stattdessen hing der schwere Duft von Latakia-Tabak in der Luft, vermischt mit dem leisen Summen seines modernen Rechners, den er widerwillig als „elektrische Depesche“ bezeichnete.

„Ibbson“, sagte er, ohne die Augen zu öffnen, „Sie bringen Unruhe mit sich. Ihr Schritt ist schwerer als gewöhnlich, und Ihr Atem verrät eine Mischung aus Empörung und Ratlosigkeit. Was ist es diesmal? Ein neuer Fall oder nur wieder einer jener digitalen Skandale, die die Menschheit in den Abgrund der Dummheit ziehen?“

Ich ließ mich in einen Sessel fallen und zog das kleine Gerät hervor, das ich seit Kurzem bei mir trug – jenes verfluchte Ding, das die ganze Welt in eine Bühne für Narren verwandelt hatte.

„Holmes, ich bin soeben auf ein Video gestoßen, das mir das Blut in den Adern gerinnen lässt. Die Dame mit dem Mantel hält auf diesem sogenannten ‚X‘ eine flammende Rede zum Weltfrauentag. Sie nennt es ‚meinen Senf‘, doch es ist nichts anderes als ein hektisch vorgetragener revisionistischer Angriff – und der Widerspruch darin ist so offenkundig, dass er fast schmerzt.“

Er spielte das Video ab. Auf dem Monitor erschien die schon bekannte Dame und sprach mit fester Stimme, während kurze Wörter wie „2026“, „freien“, „Probleme“, „Vorkämpferinnen“ und „Gerede“ im Bild aufblitzten. Sie pries die alten Heldinnen – Luise Otto-Peters, Clara Zetkin, Hedwig Dohm – und erklärte dann mit triumphierender Miene, der ursprüngliche Feminismus habe sein Ziel längst erreicht: rechtliche Gleichberechtigung seit 1949. Heutige Feministinnen suchten nur noch künstliche Probleme wie die „Gender Care Gap“. Hausfrau zu sein sei doch eine freie Entscheidung in einer freien Gesellschaft! Warum also immer neue Unterdrückung erfinden?

Als das Video endete, legte Holmes die Pfeife beiseite. Seine Augen waren jetzt hellwach, scharf wie Skalpelle. Er erhob sich langsam, trat ans Fenster und starrte hinaus in den Nebel Ibbtowns, als könne er dort die Seele der Sprecherin erblicken.

„Ibbson“, sagte er schließlich mit jener ruhigen, tödlichen Präzision, die sein Freund so gut kannte, „dieses Geschöpf hat soeben einen Mord begangen. Nicht an einem Menschen, sondern an der Wahrheit – und an ihrer eigenen Logik. Lassen Sie uns die Leiche sezieren.“

Er drehte sich zu mir um, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. „Zuerst die Geschichte. Ja, die Vorkämpferinnen haben Großes geleistet. Wahlrecht 1919, Führerschein ohne Ehemann erst 1958, Kündigungsrecht des Ehemanns über den Arbeitsvertrag der Frau erst 1977 abgeschafft. Das ist unbestreitbar. Aber hier endet die Genauigkeit.“

Er tippte mit dem Zeigefinger auf den Bildschirm, als wollte er die junge Frau persönlich durch die Zeit hindurch packen. „Sie behauptet, das Ziel sei ‚längst erreicht‘. Welch kindischer Trugschluss! Rechtliche Gleichheit auf dem Papier ist nicht dasselbe wie faktische Gleichheit im Leben. Seit 1949 stehen Männer und Frauen gleich im Grundgesetz – doch das Ehegattensplitting, der Mangel an Kita-Plätzen, die unvollständige Ganztagsschulversorgung und ein Steuersystem, das Einverdiener-Ehen begünstigt, drängen Frauen systematisch in Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit.“

Holmes’ Stimme wurde schärfer. „Und nun kommen wir zum absurdesten Widerspruch, Ibbson – dem, den Sie so treffend bemerkt haben. Diese junge Dame sitzt dort, spricht in ein Mikrofon, postet ihr Video in die Welt, strebt an mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen – und schießt mit scharfer Munition genau gegen die Bewegung, die ihr mehr echte Wahlfreiheit bei bezahlter Arbeit verschaffen will.“

Er ging ein paar Schritte auf und ab, die Stirn in tiefe Falten gelegt. „Das Statistische Bundesamt nennt es Gender Care Gap: 43 bis 44 Prozent mehr unbezahlte Arbeit pro Tag bei Frauen – das sind 76 bis 79 Minuten mehr täglich, jährlich Hunderte Stunden. Diese Mehrbelastung zwingt viele Frauen in Teilzeit, Minijobs oder Karrierepausen. Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt bei 16 Prozent, der erweiterte Gender Gap am Arbeitsmarkt – inklusive Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung – bei 37 Prozent. Frauen haben insgesamt 37 Prozent weniger verdientes Einkommen pro Jahr. Und warum? Weil die unbezahlte Care-Arbeit fast ausschließlich bei ihnen landet.“

Er blieb stehen und sah mich mit kalter Intensität an. „Stellen Sie sich vor, Ibbson: Diese Frau argumentiert gegen ‚künstliche Probleme‘ und für ‚freie Entscheidung‘ – während sie selbst in einem System lebt, das ihre eigene Arbeit durch diskriminierende Mehrbelastung schmälert. Weniger Zeit für Überstunden, Weiterbildung, Netzwerken, Beförderungen. Weniger Lohn heute, weniger Rente morgen, höheres Altersarmutsrisiko. Der Gender Pension Gap liegt bei 27 bis 40 Prozent. Das ist keine ‚gefühlte Unterdrückung‘, Ibbson. Das sind Minuten, Stunden, Jahre, die sich in Lohnlücke, Rentenlücke und Altersarmut verwandeln. Eine Frau, die ‚frei‘ entscheidet, Hausfrau zu sein, tut das oft, weil die Alternativen teurer oder unmöglich sind. Und wenn sie es tut, zahlt sie später den Preis – nicht ihr Mann. Das nennt unsere Dame ‚Gerede‘? Sie tritt – vielleicht unbewusst – gegen Maßnahmen ein, die ihr mehr echte Freiheit bei bezahlter Arbeit geben würden: bessere Vereinbarkeit, fairere Verteilung von Care, weniger strukturelle Nachteile bei Lohn und Karriere.“

Holmes’ Stimme nahm nun jenen Ton an, den er nur bei den raffiniertesten Selbsttäuschungen anschlug. „Niemand will der Hausfrau das Recht absprechen, zu Hause zu bleiben. Niemand. Der moderne Feminismus kritisiert lediglich, dass Care-Arbeit unsichtbar, unbezahlt und fast ausschließlich weiblich bleibt – und dass dieses System Abhängigkeit schafft, nicht Freiheit. Die alten Kämpferinnen haben die Ketten zerschlagen. Die heutigen wollen verhindern, dass neue, unsichtbare Ketten geschmiedet werden. Diese Dame aber tut, als sei jede weitere Kritik Verrat. Das ist nicht nur intellektuell faul. Das ist paradox selbstschädigend.“

Er ging ein paar Schritte auf und ab, die Stirn in tiefe Falten gelegt. „Sehen Sie die Methode, Ibbson. Sie nimmt die Erfolge der ersten und zweiten Welle, erklärt sie zum Endpunkt der Geschichte und diskreditiert damit aktuelle feministische Kritik an verbleibenden Ungleichheiten. Das ist der selektive Revisionismus, den man aus rechtskonservativen Kreisen kennt. Genau wie jene, die nach 1945 riefen: ‚Der Rassismus ist doch besiegt!‘ oder ‚Die Arbeiter haben doch Rechte!‘ Solange messbare Ungleichheiten existieren – Pay Gap, Pension Gap, Gewalt gegen Frauen –, ist die Gleichstellung nicht vollendet. Wer das leugnet, der betreibt nicht Revisionismus aus Liebe zur Wahrheit, sondern zur Verblendung. Er die Welt so trivial verformt erscheinen lassen, wie sie ihm nützt.“

Holmes blieb stehen und sah seinen Freund mit jenem kalten Triumph an, den jener so oft bei ihm gesehen hatte, wenn er den Täter entlarvt hatte.

„Diese junge Dame ist keine Denkerin, Ibbson. Sie ist eine Rhetorikerin der Trägheit. Sie nimmt die Heldentaten der Vergangenheit als Schild, um die Ungerechtigkeiten der Gegenwart zu leugnen. Und dafür verdient sie nicht Mitleid, sondern Verachtung. Die wahren Nachfolgerinnen von Luise Otto-Peters und Clara Zetkin sind nicht jene, die ‚Hausfrau sein‘ als höchstes Gut preisen, sondern jene, die dafür sorgen, dass jede Frau tatsächlich frei wählen kann – ohne versteckte Zwänge und ohne späte Rechnung.“

Er setzte sich wieder, zündete die Pfeife neu an und lächelte dünn. „Sie nimmt die Erfolge der Vergangenheit als Schild, um die Ungerechtigkeiten der Gegenwart zu leugnen – und schießt dabei auf die Bewegung, die auch für ihre eigene berufliche Freiheit kämpft. Ein klassischer Fall von revisionistischer Bagatellisierung, verkleidet als mutige Meinung.“

Holmes lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. „Und nun, mein lieber Ibbson, reichen Sie mir bitte den Tabak. Dieser Fall ist gelöst. Es war kein großes Rätsel – nur die alte, traurige Geschichte der menschlichen Selbsttäuschung, diesmal mit Mikrofon und Kamera aufgezeichnet.“

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John Ibbson @john@braunegeister.de 19. Mär. 17:40

Geschichtsniete

Da liegt die Latte dann wohl: Online über Geschichte belehren wollen, auf der anderen Seite unfähig online den simpelsten KI-Schrott, der deutsche Geschichte darstellen soll, zu erkennen.


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John Ibbson @john@braunegeister.de 11. Mär. 22:09

Das Schneeballsystem

Es war ein frostiger Märzmorgen im Jahr 2026, als ich die morgendliche Ausgabe des Lokalblatts aufschlug und ein leises, trockenes Lachen ausstieß, das mehr Verachtung als Belustigung enthielt.

„Holmes“, sagte ich und reichte die Zeitung über den Frühstückstisch, „wenn Sie glauben, die Provinzpolitik sei langweilig, dann lesen Sie das hier. Ein veritables Drama in drei Akten – nur dass die Akteure statt Dolchen und Giftfläschchen Fraktionsausschlüsse und Diäten verwenden.“

Sherlagg Holmes nahm das Blatt entgegen, überflog die Schlagzeile und die wenigen Zeilen darunter mit jener Geschwindigkeit, die mich immer wieder verblüffte. Dann faltete er die Zeitung sorgfältig zusammen, legte sie beiseite und lehnte sich zurück, die Fingerspitzen aneinandergelegt.

„Fahren Sie fort, Ibbson. Ich sehe bereits die Konturen, aber ich möchte Ihre eigene Diagnose hören.“

Ich räusperte mich.

„Die Fraktion der AfD im Kreistag Steinfurt hat soeben den stellvertretenden Kreissprecher – einen gewissen Ostermann – aus der Fraktion geworfen. Keine Begründung in der Öffentlichkeit, aber die Gerüchteküche brodelt: Ostermann soll sich geweigert haben, den neuerlichen Rechtsdrall mitzutragen. Der Kreisverband hat in letzter Zeit an Treffen mit Identitären teilgenommen und die neue alte Jugendorganisation ganz offen umarmt, die der Verfassungsschutz inzwischen erneut als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Man hofiert, was man früher noch versteckte.“

Holmes nickte kaum merklich.

„Und wie agiert der Fraktionsvorsitzende?“

„Elixmann – derselbe, von dem wir schon sprachen – hat inzwischen seiner parteipolitischen Ziehmutter nach Brüssel hinterhergetrottet. Ein besser dotierter Aushilfsjob, vermute ich. Er legt zwar den Fraktionsvorsitz nieder, behält aber – welch Überraschung – die Sitzungsgelder aus dem Kreistag Steinfurt. Schon sein Vorgänger handelte derart. Die Basis dient offenbar nach wie vor als Sprungbrett: Man springt, sobald etwas Glänzenderes in Sicht kommt, und lässt die zurück, die noch nicht springen können.“

„Und Ostermann?“

„Der arme Teufel erwartet nun den Gang vor ein AfD-Schiedsgericht. Man munkelt, es werde eine schnelle, saubere Abservierung wie bei seinem Vorgänger Martin geben. Keine Gnade, keine zweite Chance. Ein ewiger Kreislauf, Holmes: Aufstieg, Verrat, Ausschluss, neuer Aufstieg – und am Ende bleibt immer derselbe schale Geschmack.“

Holmes erhob sich, trat ans Fenster und blickte hinunter auf die regennasse Bachstraße. Lange Zeit sagte er nichts. Dann drehte er sich um, und in seinen Augen lag jene kalte, unbarmherzige Klarheit, die ich so gut kannte.

„Ein Kreislauf, Ibbson, ja. Aber kein natürlicher. Ein künstlich erzeugter. Man könnte ihn fast als perpetuum mobile der Selbstzerstörung bezeichnen. Der Mechanismus ist denkbar einfach:

Erstens: Man lockt Idealisten oder Karrieristen mit großen Worten – Freiheit, Heimat, Widerstand.

Zweitens: Sobald sie nützlich geworden sind, testet man ihre Loyalität durch immer radikalere Schritte – bis hin zur offenen Umarmung dessen, was selbst der Verfassungsschutz nicht mehr schönreden kann.

Drittens: Wer zögert, wird entfernt. Nicht mit Argumenten, sondern mit Parteigerichtsbarkeit, die eher einem Schauprozess als einem Rechtsverfahren gleicht.

Viertens: Der Entfernte wird zum Abschreckungsbeispiel für die Nächsten.

Fünftens: Der Entferner selbst steigt auf – oder wechselt die Bühne, sobald ein fetterer Posten winkt – und lässt die Diäten weiterlaufen wie eine stillschweigende Abfindung.

Sechstens: Die Basis bleibt zurück – enttäuscht, aber gehorsam, weil sie immer noch hofft, irgendwann selbst einmal zu den Springern zu gehören.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Es klingt wie eine Maschine, die nur ein einziges Produkt herstellt: Enttäuschung und Karrieristen.“

„Exakt“, sagte Holmes. „Und das Erstaunlichste daran ist die Beständigkeit. Kein Apparat, der so konsequent Verschleiß produziert, dürfte eigentlich lange laufen. Und doch tut er es. Weil die Energiequelle unerschöpflich ist: die Mischung aus Ressentiment, Geltungsbedürfnis und schlichter Geldgier.“

Er nahm seine Pfeife vom Kaminsims, stopfte sie bedächtig und zündete sie an.

„Ostermann wird verurteilt werden, Ibbson. Nicht weil er unrecht hätte, sondern weil er im falschen Moment Skrupel zeigte. Sein Vorgänger Martin wurde entsorgt, Elixmann entsorgt sich selbst nach oben – und der nächste wird kommen. Der Kreislauf dreht sich weiter, bis eines Tages niemand mehr da ist, der noch springen will. Oder bis die Maschine an ihrer eigenen Leere erstickt.“

Ich schwieg einen Moment.

„Was gedenkst du zu tun, Holmes?“

Er lächelte dünn – jenes Lächeln, das weder Wärme noch Hoffnung enthielt.

„Wir tun, was wir immer tun, mein lieber Ibbson. Wir beobachten. Wir notieren. Wir warten auf den Moment, in dem die Maschine einen entscheidenden Riss zeigt. Denn selbst die bestgeölte Maschine der Selbstsucht hat ihre Schwachstelle: Sie kann nicht ewig so tun, als wäre sie etwas anderes als das, was sie ist.“

Er zog an der Pfeife und blies eine perfekte Rauchwolke in die Luft.

„Bis dahin, fürchte ich, wird es in unseren Gefilden noch viele Akte geben. Und jeder wird enden wie der vorige: mit einem leeren Stuhl und einem gefüllten Konto.“

Draußen fiel der Regen weiter, monoton und gleichgültig, als wollte er sagen: In der Politik wie im Nebel – am Ende sieht man nur noch Schatten.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 10. Feb. 17:58
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John Ibbson @john@braunegeister.de 27. Nov. 2025 20:27
  • „Patriotische Wanderung“ mit extrem rechter Beteiligung

    Am 03. Oktober 2025 versammelten sich etwa 200 Personen zu einer „patriotischen Wanderung“ am Bahnhof in Detmold, um von dort aus mit Deutschlandflaggen und nationalistischen Parolen zum „Hermannsdenkmal“ zu laufen. Die Versammlung wurde von der Polizei begleitet.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 5. Sep. 2025 15:51

Der Fall der imaginären Ortsverbände

Dr. John H. Ibbson Es war ein küh­ler Herbst­abend im Jah­re 2025, als ich in unse­rem ver­trau­ten Salon in der Bach­stra­ße 221b saß, das knis­tern­de Kamin­feu­er mein ein­zi­ger Beglei­ter in einer ansons­ten stil­len Stun­de. Sherlagg Hol­mes, mein geschätz­ter Freund und Detek­tiv von unver­gleich­li­chem Scharf­sinn, blät­ter­te mit einer Mischung aus Neu­gier und Ver­ach­tung durch eine Samm­lung regio­na­ler Zei­tun­gen aus der fer­nen Pro­vinz Stein­furt über­flog. Auf ein­mal blitz­ten sei­ne Augen und ein spöt­ti­sches Lächeln spiel­te um sei­ne Lip­pen.

„Ibbson“, begann er, ohne den Blick von der Zei­tung zu heben, „es scheint, als hät­ten wir es hier mit einem Fall von bemer­kens­wer­ter Dreis­tig­keit zu tun – oder viel­leicht nur mit einem Geist, der sich in den Nebeln der Selbst­täu­schung ver­liert. Hören Sie sich das an: Der Vor­sit­zen­de des AfD-Kreis­ver­ban­des Stein­furt, ein gewis­ser Flo­ri­an Elix­mann, ver­kün­de­te mit gro­ßem Tam­tam die bevor­ste­hen­de Grün­dung von Orts­ver­bän­den in Gre­ven, Saer­beck und Ibben­bü­ren. Eine voll­mun­di­ge Ankün­di­gung, die in der Pres­se für eini­ge Wel­len sorg­te. Doch – und hier wird es inter­es­sant – selbst ein Jahr spä­ter gibt es kei­ner­lei Spur die­ser Orts­ver­bän­de. Kei­ne Ver­samm­lun­gen, kei­ne Ver­an­stal­tun­gen, kein Lebens­zei­chen. Ein Trug­bild, Ibbson, ein Phan­tom der Ein­bil­dung!“

Ich run­zel­te die Stirn, wäh­rend ich mei­ne Pfei­fe stopf­te. „Ein Phan­tom, sagen Sie? Aber Hol­mes, war­um soll­te ein Mann in sei­ner Posi­ti­on solch eine Ankün­di­gung machen, wenn nichts dahin­ter­steckt? Ist das nicht ein ris­kan­tes Spiel, sowohl für ihn selbst als auch für die Gesell­schaft, wenn Ein­bil­dung und Wirk­lich­keit für Außen­ste­hen­de nicht mehr zu tren­nen sind?“

Hol­mes leg­te die Zei­tung bei­sei­te, lehn­te sich in sei­nem Ses­sel zurück und ver­schränk­te die Fin­ger. Sei­ne Augen fun­kel­ten im Feu­er­schein, wäh­rend er in jenem Ton sprach, der stets eine Mischung aus küh­ler Logik und schar­fer Iro­nie war.

„Eine aus­ge­zeich­ne­te Fra­ge, mein lie­ber Ibbson, und eine, die uns direkt ins Herz die­ses Rät­sels führt. Las­sen Sie uns die Fak­ten sezie­ren. Ers­tens: Der Vor­sit­zen­de, Herr Elix­mann, ist ein Mann, der sich in der Öffent­lich­keit als ‚Refe­rent‘ prä­sen­tiert. Eine Berufs­be­zeich­nung, die so vage ist wie ein Nebel über der Them­se. Was genau ‚refe­riert‘ er? Wem dient er als Sprach­rohr? Die Ant­wort bleibt im Dun­keln. Inter­es­san­ter­wei­se wählt er auf sei­nem Tik­Tok-Account, die­ser moder­nen Büh­ne für Selbst­in­sze­nie­rung, die Bezeich­nung ‚Pro­fes­sio­nel­ler Rechts­po­pu­list‘. Eine Selbst­be­schrei­bung, die ent­we­der ein Akt iro­ni­scher Ehr­lich­keit oder ein wei­te­rer Beweis für sei­ne Nei­gung zur Thea­tra­lik ist. Zwei­tens: Die Ankün­di­gung der Orts­ver­bän­de. Eine sol­che Ankün­di­gung erfor­dert ent­we­der eine Grund­la­ge in der Rea­li­tät – etwa kon­kre­te Plä­ne, Mit­glie­der, Ver­an­stal­tun­gen – oder sie ist ein bewuss­ter Schach­zug, um Auf­merk­sam­keit zu erre­gen, Anhän­ger zu mobi­li­sie­ren oder Geg­ner zu irri­tie­ren. Doch die Abwe­sen­heit jeg­li­cher greif­ba­rer Ergeb­nis­se legt nahe, dass wir es hier mit einer Illu­si­on zu tun haben, die mög­li­cher­wei­se selbst den Urhe­ber täuscht.“

Hol­mes mach­te eine Pau­se, zog an sei­ner Pfei­fe und ließ den Rauch in klei­nen, nach­denk­li­chen Wölk­chen auf­stei­gen. „Nun zu Ihrer Fra­ge, Ibbson, ob solch eine Ver­mi­schung von Ein­bil­dung und Wirk­lich­keit gefähr­lich ist. Die Ant­wort ist ein kla­res Ja, sowohl für die Gesell­schaft als auch für die Per­son selbst. Für die Gesell­schaft birgt es die Gefahr, dass Ver­trau­en in poli­ti­sche Pro­zes­se ero­diert. Wenn Ankün­di­gun­gen ohne Sub­stanz zur Norm wer­den, wenn Wor­te ohne Taten hal­len, wird die Öffent­lich­keit zynisch, und der poli­ti­sche Dis­kurs ver­kommt zu einem Schau­spiel. Für die Per­son selbst ist das Risi­ko nicht min­der groß. Ein Mann, der sich in sei­ner eige­nen Rhe­to­rik ver­fängt, ver­liert die Fähig­keit, zwi­schen dem Mög­li­chen und dem Fan­tas­ti­schen zu unter­schei­den. Er wird zum Gefan­ge­nen sei­ner eige­nen Nar­ra­ti­ve, unfä­hig, die Rea­li­tät zu meis­tern, weil er sie nicht mehr klar sieht. Dies, mein lie­ber Ibbson, ist nicht nur ein Zei­chen von Inkom­pe­tenz, son­dern ein Sym­ptom eines gefähr­li­che­ren Zustands: der Selbst­täu­schung, die sich als Visi­on tarnt.“

Ich nick­te lang­sam, beein­druckt von der Schär­fe sei­ner Ana­ly­se. „Aber Hol­mes“, frag­te ich, „wie kön­nen wir sicher sein, dass es sich um Ein­bil­dung han­delt und nicht um einen bewuss­ten Täu­schungs­ver­such?“

Hol­mes’ Augen ver­eng­ten sich, und ein Lächeln, das mehr wis­send als amü­siert war, spiel­te um sei­ne Mund­win­kel. „Eine berech­tig­te Unter­schei­dung, Ibbson. Doch betrach­ten wir die Bewei­se. Hät­te Herr Elix­mann die Absicht gehabt, zu täu­schen, hät­te er ver­mut­lich kon­kre­te­re Schrit­te unter­nom­men, um den Anschein von Akti­vi­tät zu erwe­cken – etwa Schein­ver­tre­ter ernannt oder Ver­an­stal­tun­gen insze­niert. Statt­des­sen fin­den wir nichts als Stil­le. Die Web­sei­te des Kreis­ver­ban­des, die ich mir erlaubt habe zu kon­sul­tie­ren, spricht von Ver­an­stal­tun­gen wie einem Vor­trags­abend mit einem gewis­sen Mar­tin E. Ren­ner oder einem Neu­jahrs­emp­fang in Müns­ter, doch kei­ne Spur von Gre­ven, Saer­beck oder Ibben­bü­ren. Die ein­zi­ge Erwäh­nung der Orts­ver­bän­de stammt aus einer Nach­rich­ten­sei­te, die von Plä­nen spricht, ohne Bewei­se für deren Umset­zung. Es ist, als hät­te er eine Fata Mor­ga­na beschrie­ben, die nur in sei­nem Kopf exis­tiert. Ein bewuss­ter Täu­scher wäre geschick­ter; ein Selbst­täu­schen­der hin­ge­gen lässt die Ankün­di­gung im Äther ver­puf­fen.“

„Und was schlie­ßen Sie dar­aus, Hol­mes?“ frag­te ich, nun voll­ends in den Bann sei­ner Logik gezo­gen.

„Dass wir es mit einem Mann zu tun haben, der sich in der Rol­le des poli­ti­schen Akteurs gefällt, aber die Gren­ze zwi­schen Ambi­ti­on und Rea­li­tät ver­wischt. Sei­ne vage Berufs­be­zeich­nung, sei­ne groß­spu­ri­gen Ankün­di­gun­gen, sei­ne elen­dig kre­pie­ren­den Mono­lo­ge, sei­ne Prä­senz auf Platt­for­men wie Tik­Tok – all dies deu­tet auf einen Per­for­mer, nicht auf einen Pla­ner. Die Gefahr, Ibbson, liegt nicht nur in der Ein­bil­dung, son­dern in der Mög­lich­keit, dass sol­che Ein­bil­dun­gen ande­re mit­rei­ßen, die weni­ger kri­tisch sind. Doch für den Moment bleibt es ein Rät­sel ohne Ver­bre­chen – ein Fall von Wor­ten ohne Gewicht, von Träu­men ohne Fun­da­ment.“

Hol­mes lehn­te sich zurück, die Pfei­fe nun erlo­schen, und sein Blick wan­der­te in die Fer­ne. „Las­sen Sie uns hof­fen, Ibbson, dass die Bür­ger des Krei­ses Stein­furt sich die Fähig­keit bewah­ren, zwi­schen Schaum und Sub­stanz zu unter­schei­den. Denn in einer Welt, in der Ein­bil­dung die Ober­hand gewinnt, ist die Wahr­heit der ers­te Ver­lie­rer.“

Und so ende­te unse­re Unter­hal­tung, wäh­rend der Rauch des Kamins sich mit dem Nebel der Nacht ver­misch­te, und ich mich frag­te, wie vie­le sol­cher Phan­to­me wohl noch in der Welt der Poli­tik umher­geis­tern moch­ten.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 30. Aug. 2025 23:08

Die Bewährung des Leitfadens

Dr. John H. Ibbson An einem nebligen Abend des sich ankündigen Herbstes im Jahr 2025 saß ich, Dr. John H. Ibbson, in unserer vertrauten Wohnung in der Bachstraße 221B, während das Kaminfeuer knisterte und die Gaslampen ein warmes Licht warfen. Sherlagg Holmes, mein alter Freund und Gefährte, lümmelte in seinem Lehnstuhl, die Pfeife zwischen den Lippen, und scrollte mit ungewöhnlicher Begeisterung durch die Tiefen des Internets auf seinem Tablet – eine moderne Marotte, die er trotz seines Widerwillens gegen die Technik der heutigen Zeit angenommen hatte.

„Ibbson“, begann er plötzlich, ohne den Blick von seinem Bildschirm zu heben, „ich muss sagen, Sie haben sich selbst übertroffen. Dieser Leitfaden zum Verständnis von AfD-Gefolgsleuten, den Sie verfasst haben, ist ein Meisterwerk der Beobachtung und Analyse. Ein wahres Handbuch der menschlichen Vorhersehbarkeit!“

Ich blinzelte überrascht. „Sie sprechen von meinem kleinen Projekt? Wie sind Sie darauf gestoßen, Holmes?“

„Ein flüchtiger Blick auf die endlosen Diskussionen im digitalen Äther“, antwortete er mit einem schelmischen Lächeln. „Ein Klient wies mich darauf hin, dass ihr Projekt in einem Internetforum praxistauglich angewendet wurde, und ich war neugierig. Sagen Sie, wie kamen Sie auf die Idee, die rhetorischen Muster der AfD und ihrer Gefolgsleute derart präzise zu katalogisieren?“

Ich räusperte mich, etwas geschmeichelt von seinem Interesse. „Nun, Holmes, ich habe bemerkt, dass in Online-Diskussionen mit Anhängern der Alternative für Deutschland ein gewisses Muster erkennbar ist. Ihre Antworten folgen wiederkehrenden Strategien, die weniger auf Sachargumente als auf Ablenkung und Emotion abzielen. Also habe ich diese Muster systematisiert – eine Art Leitfaden, um ihre Argumente zu entlarven.“

Holmes’ Augen funkelten vor Belustigung. „Und wie brillant Sie das getan haben! Ich habe mir die von Ihnen dokumentierten Auszüge angesehen. Erlauben Sie mir, sie kurz Revue passieren zu lassen, denn sie sind ein Paradebeispiel für Ihre Methode.“

Er lehnte sich zurück, zog an seiner Pfeife und begann, die Beispiele mit der Präzision eines Anatomen zu sezieren. „Nehmen wir Niklas T., der mit einem lapidaren ‚Albern! Habt ihr keine wichtigeren Themen?‘ reagiert. Ihr Leitfaden identifiziert dies korrekt als Whataboutism – eine Taktik, so alt wie die Kunst der Rhetorik selbst, um von der eigentlichen Debatte abzulenken. Ihre Definition ist prägnant: ‚eine Ablenkungstaktik, indem man behauptet, dass man zunächst über etwas anderes zu diskutieren habe.‘ Bravo, Ibbson, Sie haben den Kern getroffen.“

„Dann“, fuhr er fort, „haben wir Eberhard S. mit seinem ‚Kindergarten Deutschland lässt Grüßen.‘ Ihr Leitfaden stuft dies als ausflüchtende Bewertung ein, die nichts zur Sache beiträgt. Eine treffendere Beschreibung könnte es kaum geben! Der Begriff ‚Kindergarten‘ ist hier nichts weiter als eine rhetorische Keule, die Sachlichkeit durch Herabwürdigung ersetzt.“

Holmes’ Finger tanzten über das Tablet, während er die nächsten Beispiele aufrief. „Sportler Siebenachtzig – ein faszinierender Nom de Guerre – klagt: ‚Dachte immer, dass es in Ibbtown noch eine Demokratie gibt, aber anscheinend gibt es das auch nicht mehr.‘ Ihr Leitfaden entlarvt dies als pseudo-ironische Übertreibung, die vorgibt, Ironie zu sein, aber lediglich das Gegenteil des Gesagten meint. Eine präzise Beobachtung, Ibbson. Solche Aussagen sind nicht darauf ausgelegt, zu überzeugen, sondern zu provozieren.“

„Und schließlich“, sagte Holmes mit einem leichten Lachen, „Christoph J., der Sie, mein lieber Ibbson, mit einem Schwall von Empörung überschüttet: ‚Einfach nur erschreckend! Hier schwafelt wieder jemand mit irgendeinem Pseudoanspruch von unserer Demokratie.‘ Ihr Leitfaden analysiert dies als eine verzerrte Auffassung von Demokratie, die auf Mehrheitswahlrecht ohne Rechtsstaatlichkeit reduziert wird. Eine scharfsinnige Diagnose! Und die Krönung: Sportler Siebenachtzig’s ‚Hirnloses Geschwafel‘, das Sie als Ausdruck einer Weltanschauung identifizieren, in der jeder, der nicht mit der AfD übereinstimmt, ein willenloses ‚Schaf‘ ist. Einfach köstlich!“

Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Sie scheinen tatsächlich begeistert, Holmes. Aber war es nicht ein wenig… unorthodox, solche Diskussionen derart zu katalogisieren?“

„Unorthodox?“ Holmes’ Augenbrauen hoben sich. „Mein lieber Ibbson, es ist geradezu elementar! Sie haben die Prinzipien meiner Methode angewandt: Beobachtung, Klassifikation, Deduktion. Sie haben die rhetorischen Fußspuren dieser Diskutanten verfolgt und ein Muster entdeckt, das so vorhersehbar ist wie die Schritte eines Walzers. Ihr Leitfaden ist ein Werkzeug, das die Maske des Populismus herunterreißt und die darunterliegende Leere enthüllt. Ich bin entzückt!“

Er legte das Tablet beiseite und fixierte mich mit einem durchdringenden Blick. „Doch sagen Sie, Ibbson, was hat Sie dazu inspiriert, diesen Leitfaden zu schreiben? War es bloße Langeweile, oder steckt mehr dahinter?“

Ich zögerte, dann antwortete ich: „Es war die Frustration, Holmes. In diesen Diskussionen wird selten auf Argumente eingegangen. Stattdessen wird abgelenkt, provoziert, herabgewürdigt. Ich wollte ein Werkzeug schaffen, das diese Taktiken sichtbar macht – nicht nur für mich, sondern für jeden, der sich in solchen Debatten wiederfindet.“

Holmes nickte anerkennend. „Ein nobles Unterfangen. Und wie effektiv es ist! Ihre Antworten in diesem Gespräch – jedes Mal ein präziser Verweis auf den Leitfaden – haben die Diskutanten entwaffnet, ohne dass Sie sich auf ihr Niveau begeben mussten. Sie haben die Kunst des rhetorischen Judo gemeistert.“

Er stand auf, schritt zum Fenster und blickte hinaus in den Nebel, der die Bachstraße umhüllte. „Doch seien Sie vorsichtig, Ibbson“, sagte er, nun ernster. „Solche Werkzeuge sind mächtig, aber sie können auch Missgunst erregen. Die, die entlarvt werden, reagieren selten mit Einsicht. Dennoch, Ihre Arbeit ist ein Triumph der Vernunft über das Chaos der Emotionen.“

Ich fühlte mich geschmeichelt, doch auch ein wenig überfordert von seinem Lob. „Danke, Holmes. Vielleicht sollte ich den Leitfaden erweitern – es gibt sicher noch mehr Muster zu entdecken.“

„Zweifellos“, erwiderte er mit einem verschmitzten Grinsen. „Und wenn Sie das tun, Ibbson, lassen Sie mich die erste Ausgabe lesen. Es ist eine Freude, zu sehen, wie mein alter Freund die Kunst der Deduktion in die moderne Arena trägt.“

Und so verbrachte ich den Rest des Abends damit, Holmes von den Feinheiten meines Leitfadens zu erzählen, während der Nebel draußen dichter wurde und die Welt der Bachstraße in ein sanftes, zeitloses Schweigen hüllte.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 28. Aug. 2025 21:10

Das Geheimnis der akronymen Täuschung

Dr. John H. Ibbson Es war ein küh­ler Som­mer­abend in Ibb­town, als ich, Dr. John H. Ibbson, in der Behag­lich­keit unse­rer Woh­nung in der Bach­stra­ße 221B saß. Reg­ne­ri­sche Feuch­tig­keit kroch durch die Stra­ßen, und das Knis­tern des Kamin­feu­ers war die ein­zi­ge Gesell­schaft, bis Sherlagg Hol­mes mit einem amü­sier­ten Fun­keln in den Augen ins Zim­mer stürm­te. In sei­ner Hand hielt er ein moder­nes Gerät, das er „Smart­phone“ nann­te, ein Ding, das er mit einer Mischung aus Ver­ach­tung und Fas­zi­na­ti­on betrach­te­te.

„Ibbson, mein Freund,“ rief er, „kom­men Sie her! Wir ste­hen vor einem Fall von köst­li­cher List, einem digi­ta­len Pos­sen­spiel, das selbst Mori­ar­ty vor Neid erblas­sen lie­ße!“

„Was ist es dies­mal, Hol­mes?“ frag­te ich, wäh­rend ich mei­ne Pfei­fe bei­sei­te leg­te. „Ein wei­te­rer Fall von gestoh­le­nem Tee oder ein ver­schwun­de­ner Regen­schirm?“

„Nichts so Gewöhn­li­ches,“ ant­wor­te­te er und hielt das Gerät hoch, des­sen Bild­schirm mit bun­ten Sym­bo­len leuch­te­te. „Es geht um die sozia­len Netz­wer­ke, Ibbson! Ein Netz aus Intri­gen, gewo­ben mit Humor und einer Pri­se Sub­ver­si­on. Im Kreis Stein­furt, genau­er gesagt in den Städ­ten Ems­det­ten, Stein­furt und Ibben­bü­ren, hat sich eine Grup­pe schlau­er Köp­fe einen Spaß erlaubt. Sie haben die Akro­ny­me einer poli­ti­schen Par­tei, der AfD, genom­men und sie mit neu­en, höchst amü­san­ten Bedeu­tun­gen ver­se­hen.“

Ich run­zel­te die Stirn, ver­wirrt von die­sem moder­nen Durch­ein­an­der. „Akro­ny­me, Hol­mes? Und was für eine Par­tei?“

„Die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land,“ erklär­te er, „eine Par­tei, die in der deut­schen Poli­tik für eini­ge Kon­tro­ver­sen sorgt. Doch hier geht es nicht um Poli­tik, Ibbson, son­dern um einen Streich! Schau­en Sie sich die­se Lis­te an.“ Er reich­te mir das Gerät, und ich las die Ein­trä­ge, die er mir zeig­te:

@afd.stadtverband.emsdetten: Abge­lau­fe­ne Fer­tig­do­sen Ems­det­ten
@afd.lengerich: Alko­hol­frei­es Dosen­bier Len­ge­rich
@afd_in_emsdetten: Alko­hol-frei­es Dosen­bier Ems­det­ten
@afd.stadtverband.steinfurt: Alles für den Dackel Stadt­ver­band Stein­furt
@afd_emsdetten: Alles für Döner
@afdemsdetten: All­ge­mein­heit für Don­ner­schlag­qual­len
@afd_steinfurt: Anar­chis­ti­sche Frö­sche Deutsch­land
@afd.emsdetten: Anti-fort­schritt­li­che Dinorau­rier Ems­det­ten
@afd.ibbenbueren: Anthra­zit­for­schung Dicken­berg
@afdsteinfurt: Alle für Diver­si­tät Stein­furt

Ich konn­te ein Lachen nicht unter­drü­cken. „Hol­mes, das ist ja absurd! Don­ner­schlag­qual­len? Anar­chis­ti­sche Frö­sche? Wer kommt auf solch einen Unsinn?“

Hol­mes lehn­te sich zurück, die Fin­ger­spit­zen anein­an­der­ge­legt, ein schel­mi­sches Grin­sen auf den Lip­pen. „Ein Meis­ter der Täu­schung, Ibbson, oder bes­ser gesagt, eine Grup­pe von Spaß­vö­geln, die die Macht der Spra­che und der digi­ta­len Platt­for­men nut­zen. Stel­len Sie sich vor: Jemand regis­triert die­se Kon­ten, um die Erwar­tun­gen derer zu unter­gra­ben, die nach offi­zi­el­len Par­tei­pro­fi­len suchen. Statt­des­sen fin­den sie… Dosen­bier und Dackel! Es ist ein bril­lan­tes Manö­ver, eine digi­ta­le Kari­ka­tur.“

„Aber war­um, Hol­mes?“ frag­te ich. „Was ist der Zweck?“

„Der Zweck, mein lie­ber Ibbson, ist drei­fach,“ erklär­te er, wäh­rend er auf­stand und im Raum auf und ab ging. „Ers­tens, es ist ein Akt des Humors, ein spie­le­ri­scher Kom­men­tar, der die Ernst­haf­tig­keit der Poli­tik durch­bricht. Zwei­tens, es ist eine sub­ti­le Form des Pro­tests, indem man die Iden­ti­tät der Par­tei durch absur­de Asso­zia­tio­nen ver­dreht. Und drit­tens, es ist eine Demons­tra­ti­on von Krea­ti­vi­tät, die zeigt, wie man mit ein paar Wor­ten und einem Account die Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen kann. Beach­ten Sie die Viel­falt: von Döner bis Fer­tig­es­sen, von Dino­sau­ri­er bis Diver­si­tät – jede Bezeich­nung ist ein klei­ner Stich, gewürzt mit Witz.“

Ich nick­te lang­sam, fas­zi­niert von der Ana­ly­se. „Aber Hol­mes, ist das legal? Kann man ein­fach so Kon­ten mit sol­chen Namen anle­gen?“

Hol­mes zuck­te die Schul­tern, ein Hauch von Spitz­bü­be­rei in sei­nem Blick. „Die Geset­ze der digi­ta­len Welt sind noch jung, Ibbson. Solan­ge kei­ne Mar­ken­rech­te ver­letzt oder direk­te Täu­schun­gen mit böser Absicht vor­ge­nom­men wer­den, ist es ein grau­er Bereich. Die­se Kon­ten bean­spru­chen nicht, die ech­te Par­tei zu sein – sie sind Par­odien, Sati­ren, ein digi­ta­les Augen­zwin­kern.“

„Und wie haben Sie davon erfah­ren?“ frag­te ich, neu­gie­rig wie immer.

„Ein Freund aus Ems­det­ten, ein gewis­ser Herr Mül­ler, schick­te mir eine Nach­richt,“ ant­wor­te­te Hol­mes. „Er ist ein Beob­ach­ter der digi­ta­len Land­schaft und fand die­se Ent­wick­lung höchst unter­halt­sam. Ich habe die Kon­ten über­prüft – lei­der kann ich Ihnen kei­ne aktu­el­len Inhal­te zei­gen, da ich nicht direkt auf die Platt­form zugrei­fen kann. Aber die Namen allein, Ibbson, sind ein Kunst­werk!“

Ich lach­te erneut, stell­te mir vor, wie ein arg­lo­ser Nut­zer auf der Suche nach poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen statt­des­sen auf „Anthra­zit­for­schung auf dem Dicken­berg“ stößt. „Was wird die Par­tei dazu sagen, Hol­mes?“

„Oh, sie wer­den ver­mut­lich empört sein,“ sag­te er mit einem Kichern. „Aber was kön­nen sie tun? Den Humor ver­bie­ten? Die Qual­len ver­haf­ten? Nein, Ibbson, der bes­te Weg, mit solch einer Täu­schung umzu­ge­hen, ist, sie zu igno­rie­ren oder mit noch mehr Witz zu kon­tern. Doch ich bezweif­le, dass sie dazu fähig sind.“

Hol­mes setz­te sich wie­der, sein Blick nun nach­denk­lich. „Es erin­nert mich an unse­re eige­nen Aben­teu­er, Ibbson. Die Welt mag sich ver­än­dert haben, von Gas­la­ter­nen zu Bild­schir­men, aber die mensch­li­che Natur bleibt die­sel­be: ein Tanz aus List, Humor und der ewi­gen Suche nach Auf­merk­sam­keit. Die­ser Fall mag kein Ver­bre­chen sein, aber er ist ein Rät­sel, das uns zum Schmun­zeln bringt.“

Und so saßen wir, wäh­rend der Nebel dich­ter wur­de und das Feu­er knis­ter­te, und lach­ten über die Vor­stel­lung von Don­ner­schlag­qual­len und anar­chis­ti­schen Frö­schen, die die digi­ta­le Welt erober­ten – ein Fall, der Sherlagg Hol­mes’ Herz mit Freu­de erfüll­te, ohne dass ein Ver­bre­cher gefasst wer­den muss­te.

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John Ibbson @john@braunegeister.de 19. Aug. 2025 18:22

Der Fall der Vermietmoppel

„Ein höchst aufschlussreicher, wenn auch sprachlich etwas rauer Ausstoß aus den digitalen Gassen von Rheine, Ibbson“, begann Sherlagg Holmes, während er in am Fenster saß, die Fingerspitzen aneinandergelegt und den Blick auf den imaginären Nebel richtete, der ebenso über den virtuellen Straßen von X zu schweben schien. „Dieser Tweet, wie Sie ihn nennen, ist ein Schrei aus dem Herzen eines Bürgers, der sich offenbar von den ‚Vermiet Moppeln‘ – eine pittoreske, wenn auch wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Politiker – enttäuscht fühlt. Die Hoffnung, dass die AfD an die Macht gelangt, um ‚alles wieder in Rheine kommt‘, wie es so ungeschliffen heißt, verrät sowohl Unzufriedenheit als auch eine Sehnsucht nach einer unbestimmten Rückkehr zu besseren Zeiten.“

Er zündete seine Pfeife an und ließ den Rauch in kleinen Wölkchen zur Decke steigen. „Zunächst, Ibbson, müssen wir die Emotion hinter diesen Worten sezieren. Die Verfasserin zeigt eine klare Verachtung für die derzeitigen politischen Akteure. ‚Vermiet Moppel‘ deutet auf eine Mischung aus Frustration und Spott, möglicherweise geboren aus dem Gefühl, dass die Politiker träge, inkompetent oder gar eigennützig handeln. Doch was ist dieses ‚alles‘, das in Rheine wiederhergestellt werden soll? Eine vage Formulierung, Ibbson, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Spricht die Verfasserin von wirtschaftlicher Blüte, sozialer Harmonie oder gar einer nostalgischen Vorstellung von Vergangenem? Ohne weitere Spuren bleibt dies ein Rätsel.“

Er lehnte sich zurück, die Augen halb geschlossen, während er die Implikationen dieses Ausbruchs ordnete. „Die Erwähnung der AfD als Retterin ist ebenso aufschlussreich wie beunruhigend. Der Verfasser sieht in dieser Partei eine Kraft, die Ordnung und Wohlstand zurückbringen könnte. Doch, Ibbson, wie oft haben wir gesehen, dass solche Hoffnungen auf einfache Lösungen in komplexen Zeiten selten die ersehnte Erlösung bringen? Die AfD mag für manche ein Banner der Rebellion gegen das Establishment sein, doch ihre Methoden und Ziele sind, wie wir aus anderen Fällen wissen, nicht legitim. Der Tweet verrät weniger über die Partei selbst als über den Gemütszustand der Verfasserin, die sich von der Politik verlassen fühlt und nach einer starken Hand sucht, die das Ruder übernimmt.“

„Doch lassen Sie uns nicht voreilig urteilen, Ibbson. Dieser Tweet ist kein Beweis, sondern ein Indiz – ein Hinweis auf eine tiefere Unzufriedenheit in Rheine, die es wert ist, untersucht zu werden. Was treibt diesen Bürger zu solch einer Äußerung? Ist es wirtschaftliche Not, soziale Spannungen oder gar ein Missverständnis der politischen Landschaft? Eine gründliche Untersuchung – vielleicht ein Blick in die jüngsten Ereignisse von Rheine oder eine Analyse der dortigen politischen Diskurse – könnte Licht ins Dunkel bringen.“

Er öffnete die Augen und widmete mir einen starren Blick. „Merken Sie sich, mein Freund: Ein Tweet wie dieser ist wie ein Schrei in der Nacht – laut, verzweifelt, aber oft ungenau. Wer ‚Vermiet Moppel‘ ruft und die AfD heraufbeschwört, spricht weniger aus Vernunft als aus Wut. Unser Aufgabe wäre es, die Wurzeln dieses Gefühls zu finden, bevor wir über die Lösung urteilen. In Rheine, so scheint es, brodelt etwas unter der Oberfläche – und es bedarf eines scharfen Verstandes, um zu entscheiden, ob es gerechtfertigter Zorn oder bloße Verirrung ist.“