Karma ist ein Flittchen
Bei der IVZ hat man die Schriftart online gewechselt, einen Dunkelmodus installiert (wer umschalten möchte: gaaaaanz nach unten scrollen) und rundet die Bilder jetzt ab, wobei sie oft an der gegenüberliegenden Bildseite eckig bleiben. Ist nicht mein Geschmack, aber auch keine Lösung des dringlicheren Problems: Die stockend ladend überfrachtete Seite. Machen wir eine kleine Inspektion: Unter der Motorhaube arbeitet ein Angular-Framework, die Datenmengen der Seite selbst werden komprimiert und das verringert Ladezeit enorm. Hilft dem Besucher der Seite aber dann doch nicht weiter.
Stopp, Stopp, Stopp! Das hört sich ganz schön technisch an. Deswegen erst einmal metaphorisch, warum die Seite so lange braucht um Bilder zu laden, bevor es etwas platt technisch erklärt wird:
Man stelle sich vor, ein Besucher betritt eine große Kunstgalerie und möchte in einem Ausstellungsraum ein bestimmtes Foto an der Wand betrachten. Doch statt einfach von Raum zu Raum gehen, steht hinter ihm ein übermotivierter Museumswärter, der jedes Mal, wenn der Besucher auch nur den Blick abwenden oder den Saal wechselt, sofort die gerade betrachtete Wand einreißt, neu aufbaut, ein graues Pappschild hinhängt und einen Boten in ein riesiges Außenlager schickt, um das Foto neu auszudrucken. Und weil im Eingangsbereich gleich hundert solcher Gemälde auf einmal hängen und die Boten alle unkoordiniert durch dieselbe schmale Pforte drängen, fängt das gesamte Gebäude beim Schlendern durch die Ausstellung vernehmlich an zu wanken und zu ruckeln.
Bilder sind zentraler Bestandteil der IVZ-Seite und das größte Problem. Man merkt trotz teuerer Kameras, dass die eigenen nicht von professionellen Fotografen erstellt worden sind, sie machen aber auch in der bloß technisch aufbereiteten Form Probleme: Auf der IVZ-Startseite sind etwa 100 Bilder eingebaut, einige doppelt. Auch kleine Bilder werden nicht tatsächlich verkleinert, sondern lediglich in einer kleineren Größe dargestellt. Die Bilder sind alle etwa 50 KB groß und im JPG-Format, nicht in einem deutlich platzsparenderen, damit hat man eine Ladelast von 5 MB der Startseite. Ein ruckelfreies Scrollen ist so für kaum ein Gerät auf Anhieb möglich.
Die Bilder haben allesamt erst ein Vorladebild, dann erscheint erst das passende. Rufe ich einen Artikel auf, kommt wegen der Angular-Architektur, die das Layout bei Klicks jedes Mal neu initialisiert, erneut ein Vorladebild, dann das passende Bild, auch wenn es in der vorherigen Seite schon im Browser war. Wenn es einen Cache gibt, dann ist er nicht gut eingestellt, weshalb die Dateien oft ungebremst neu anfordert werden. Wenn es keinen Cache gibt, werden die Bilderdateien durch unsaubere Header immer neu von windows.net geladen, was massig Traffic verursacht und auf Dauer teuer ist.
Es sieht schätzungsweise so aus: Während Datenschutz-Komponenten wie Usercentrics im HTML-Kopf der Website penibel per preconnect für den Sofortstart vorbereitet wurden, läuft die Auslieferung der eigentlichen Mediendateien unkoordiniert im Hintergrund. Die Bilder lagern extern im Microsoft Azure Cloud-Speicher – allerdings ohne die notwendigen netzwerkseitigen Vorabverbindungen und TLS-Handshake-Optimierungen für die Domain windows.net. Der Browser des Lesers erfährt schlicht zu spät, wo er die visuellen Inhalte suchen muss. Erst wenn die asynchrone Content-API von news.ivz-aktuell.de die reinen Text- und Datenstrukturen an das Frontend übermittelt hat, setzt sich der Ladevorgang für die Grafiken in Gang. Und für jede einzelne wird ein TLS-Handshake fällig. Das dauert.
Ein deutlich einfacheres System für die überschaubare Besucherresonanz käme den Verlag deutlich billiger. Aber keine Sorge: Im Grunde genommen hat man nur ein System so eingekauft, wie das hauseigene TEO es früher an Firmen verkauft hat. Und das ist doch irgendwie versöhnlich.